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"spiel mit Grenzen" - unser Thema 2016

 

Thementext Spielmarkt 2016

 

Thementext:

Menschen schaffen und haben Grenzen, um Dinge unterscheiden zu können und um dadurch  Möglichkeiten für Denken und Handeln zu gewinnen. Wir brauchen sie und können ohne sie nicht leben. Die Abgrenzung zuanderen macht uns gleichzeitig zu Individuen. Als soziale Wesen bilden wir Gemeinschaften mit symbolischen Markierungen, politische, ethnische, sprachliche, religiöse usw., um sich einen Rahmen zu geben und um sich von Anderen und Anderem abzugrenzen: Soziale Zusammenschlüsse wie Ehe, Familie, Freundschaften, Vereine, Milieus und Schichten definieren sich durch Grenzen, Regeln, geschriebene und ungeschriebene Gesetze. Sie werden dadurch zusammengehalten und entfalten Wirkung nach Innen und Außen. Innerhalb der Grenzen kann sich Freiheit entfalten und gelebt werden. Sie bedeuten Schutz, Sicherheit und Orientierung. Aber sie schränken auch ein: Die Bewegungsfähigkeit, das Denken, das Verhalten und die Kommunikation.

Menschliches Streben nach Freiheit zeichnet sich jedoch auch dadurch aus, bestehende Grenzen zu überwinden, denn Grenzen sind nicht generell unveränderbar, sondern sie reizen dazu, weiter zu gehen um herauszufinden, wie die Welt funktioniert, um sie zu verändern oder gar Neues zu entdecken oder zu entwickeln. Freiheit heißt dann: entweder Grenzen akzeptieren oder das Risiko ihrer Überschreitung auf sich zu nehmen. Jedoch bilden Grenzüberschreitungen gleichzeitig die Ursache für Konflikte; sei es zwischen meinem Körper und anderen, zwischen meiner und anderen Kulturen, Religionen, Rechts-, Moral und Werteverständnissen.

Um Grenzen zu erfahren oder auch zu überschreiten ist Spielen eine gute Möglichkeit, um in einer Art Testumgebung Erfahrungen zu machen, eigene Fähigkeiten zu erkennen und Bezüge zu sich, seiner Umgebung und anderen herzustellen.

Mit dem Schwerpunktthema "spiel mit Grenzen" wird sich das Bildungsforum Internationaler Spielmarkt Potsdam am 29./30. April 2016 in besonderer Weise mit Grenzerfahrungen auseinandersetzen: spielerisch können Grenzerfahrungen in der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen thematisiert, reflektiert und spielpädagogische Umgangsformen vorgestellt werden. Grenzen zeigen Kindern und Jugendlichen, wie weit sie gehen können. Zugleich führen die Grenzen ihnen vor Augen, was sie noch nicht können. Doch wollen Kinder und Jugendliche mehr. Mit Grenzen zu spielen, heißt mit eigenen Fähigkeiten zu spielen und damit eigene Leistungsgrenzen zu erweitern. Die Lern- und Erfahrungsebenen sind dabei vielfältig. Es gilt beispielsweise Herausforderungen zu bestehen, um sein Selbstwertgefühl zu stärken, die Tiefe und die emotionale Basis zwischenmenschlicher Beziehungen zu ergründen und die Verlässlichkeit von Normen und Werten auszutesten, die Kindern und Jugendlichen von Eltern und Pädagog_innen vorgelebt werden. Grenzüberschreitungen zeigen die Notwendigkeit an, über erweiterte Grenzen, veränderte Regeln und mehr Beteiligung der Heranwachsenden bei Konfliktlösungen nachzudenken. Grenzüberschreitungen weisen den Erwachsenen aber auch darauf hin, sich diesen zu stellen. Wenn Kinder keine Grenzen durch Erwachsene mehr erfahren, suchen sie selbst danach. Grenzüberschreitungen von Kindern und Jugendlichen geschehen bewusst und unbewusst. Ziel kann es sein, sich ihrer Stellung in den verschiedenen sozialen Systemen zu vergewissern und sich zu positionieren.

Vor dem Hintergrund der leistungsorientierten Anforderungen in Kita, Schule und Gesellschaft wird eine ganzheitliche Bildung junger Menschen immer bedeutsamer. Zweckfreie Entwicklungsräume werden immer enger geschnürt. Unsere Lebenswelt ist bestimmt von einer breiten Medienlandschaft, durch die vielfach künstliche Leitbilder vermittelt werden. Gleichzeitig müssen sich die eigenen Fähigkeiten und Potentiale an den vorgegebenen Lehrplänen und Leistungsanforderungen in Schule, Ausbildung, Studium und ebenso im gesellschaftlichen Umfeld bewähren. In diesem Spannungsfeld trägt die außerschulische, jugendkulturelle Bildungsarbeit maßgeblich zur stärkenorientierten, ganzheitlichen Bildung junger Menschen bei. Hier werden Kinder und Jugendliche an das künstlerische Arbeiten, an spielerische Aktivitäten und Projekte herangeführt. Hier können sie in kreativer Freiheit, ohne Angst, Scham und Leistungsdruck Grenzen ausprobieren und überschreiten. Durch Spiel werden Grenzen flexibel und veränderbar.

Das 26. Bildungsforum  Internationaler Spielmarkt Potsdam am 29./30. April 2016 unter dem Thema "spiel mit Grenzen" bietet in über 100 Workshops, Fachvorträgen, an zahlreichen Infoständen und bei Mitmachaktionen die Möglichkeit, den fachlichen, spielpädagogischen Horizont zu erfahren und die eigenen Grenzen zu erweitern.

Aus aktuellem Anlass wird der Spielmarkt unter anderem auch spielpädagogische Methoden und Handwerkszeug für alle Fachkräfte, die mit der Integration von Flüchtlingen betraut sind, thematisieren.

Auf den Besuch von Menschen aus allen pädagogischen Arbeitsfeldern freut sich das Organisationsteam aus Trägern der Diakonie und der evangelischen Jugend.