Thema: Du bist dran! – spielend Übergänge begleiten

Übergänge – persönlich bedeutsam

Übergänge sind Schnittstellen und Schwellen in unserem Leben. Es gibt darin keinen Stillstand. Ob als Säugling, als Jugendliche, im Erwerbsalter oder als Senior_innen: Übergänge sind eine Aufforderung zum Wagnis und zur Bewegung. Sie fordern heraus.

Übergänge bedeuten häufig Ungewissheit und offenen Ausgang. Vorsicht und Achtsamkeit, Aufbruch und Wagnis, Hoffen und Bangen, Neugier und Verstörung liegen dabei meist eng beieinander. In Übergangssituationen steht oftmals einiges auf dem Spiel.

Du stehst an der Schwelle von einer Situation zur anderen oder gehst von einer Lebensphase zur nächsten und spürst, du kannst nicht ausweichen, nur versuchen den Übergang zu gestalten, so gut es dir möglich ist.

Dir wird klar, nun bist du dran, selbst Mentor_in deiner Übergänge zu sein und dich der Herausforderung zu stellen.

Übergänge können auch zu Krisen werden. Sie brechen hin und wieder plötzlich in unser Leben ein. Wir erfahren es selbst oder wissen es von anderen. Wir leben mit Menschen, für die sind Übergänge mit Flucht, Vertreibung, traumatischen Erlebnissen oder anderen prekären Lebenssituationen verbunden. Umbrüche, die schicksalhaft über sie gekommen sind. Wir selbst spüren es, wenn Krankheit uns ergreift oder auf Grund der Pandemie das soziale und wirtschaftliche Leben eingeschränkt wird und sich verändert. Nichts ist mehr, wie es war.

Manchmal erscheint der eigene Handlungsspielraum so eingeschränkt, dass sich Resignation und depressive Stimmung einstellen.

Übergänge – spielend begleiten

Spiel kann helfen, belastende Situationen zu überstehen. Das Spielen verschafft Spielraum, etwas Abstand von der Alltagssituation und kann so neue Perspektiven eröffnen.

Die (Corona)Krise hat die Spielregeln unseres sozialen Zusammenlebens verändert und zieht wirtschaftliche Veränderungen mit individuellen Konsequenzen nach sich. Es kann eine Herausforderung sein, die gesellschaftlichen, politischen, sozialen Regeln, die von außen gesetzt werden, nicht als starr zu betrachten und vor ihnen zu erstarren, sondern zu erkunden, welche Spielräume sie bieten und was sie Neues ermöglichen.

In jeder Krise steckt eine Chance. Aus Trümmern des Zusammengebrochenen kann etwas Neues, vielleicht gar Besseres gebaut werden.

Wer spielt ist auch in Zeiten von Übergängen und Krisen anders unterwegs. Spielen bewahrt nicht vor der Krise, aber es hilft, kreativ und flexibel mit der Krise umzugehen.

Zweckfreies Spielen, ohne jede pädagogische Absicht, kann besonders in Zeiten der Unsicherheiten helfen, zu sich selbst zu kommen und die Möglichkeiten zu erkennen. Die im Spiel trainierte Kreativität kann Ausgangspunkt für Expeditionen ins Neue werden. Eine spielerische Haltung macht und hält handlungsfähig.

In Mythen und Märchen spielen oft Mentoren oder Begleiter_innen eine wichtige Rolle. Auf der Heldenreise ist man selten allein. Ein Meister sorgt für die Ausbildung, eine Fee begleitet oder es wird der Person etwas mitgegeben, das es ermöglicht, sich in Unbekanntes und in Gefahren hineinzuwagen und sich den Herausforderungen zu stellen – ein Motiv, dass vielen jungen Menschen aus Filmen und digitalen Spielwelten vertraut ist.

Pädagog_innen sind herausgefordert Mentor_in für Andere zu sein. Du bist dran, Übergänge und Umbrüche zu begleiten.

Einfühlsame und erfahrene Mentor_innen haben selbst Übergänge erlebt und Krisen durchstanden. Von daher können sie ermutigen, Impulse geben, fordern und fördern. Jede_r muss seinen oder ihren Weg allein gehen und den eigenen Weg finden.

Spielend Übergänge begleiten bedeutet, in Veränderungen und Krisen mit dem Mittel und der Art des Spiels gemeinsam Wege zu suchen, kreativ, locker, flexibel, im Spiel mit Versuch und Irrtum…

Das erfordert eigene Spielerfahrung und eine spielerische Haltung, die befähigt die Risiken und Gefahren im Blick zu behalten sowie neue Möglichkeiten und Spielräume zu erkennen und kreativ zu nutzen.

Im Spiel werden das unbewusst Erfahrene, aber auch das (noch) nie Erfahrene, das Utopische, lebendig. Spiel ermöglicht daher nicht nur die Verarbeitung von Erinnerungen, sondern darüber hinaus Utopien und Veränderungen.

Spiel ist Werkzeug für Lösungsansätze. Es vervielfacht die Handlungsoptionen durch kreative Ideen, durch Probehandeln an einem durch Regeln und Struktur geschütztem Ort, an dem eigene Regeln entwickelt, bestehende Regeln verändert, bestehender Spielraum ausgelotet werden können.

Kaum ein anderes Medium vereint Handlungsfreiheit, Authentizität und Struktur so miteinander, wie das Spiel. Spiele erscheinen „widersprüchlich“, in dem sie die Einhaltung bestimmter Strukturen voraussetzen, zugleich aber auch dazu animieren, neue Möglichkeiten und Chancen, Konstellationen und Optionen durchspielend zu erproben.

Schauen wir mit spielendem Blick auf unsere Übergänge und Krisen, erweisen sie sich immer auch als Spielraum – ein Ort der Begegnung mit dem Unbekannten. Ein Ort für neue Gedanken und neue Einsichten, wo das bisher Unbedeutende, an Bedeutung gewinnt. Das Unvorstellbare sich vorstellt. Das Unmögliche machbar wird.

Übergang – Wahrnehmung im 21.Jahrhundert

Gegenwärtige Biografien sind gekennzeichnet von häufigen Wechseln, beruflich und im sozialen Status. Phasen verlässlicher, gleichbleibender Verhältnisse werden kürzer. Die Anforderungen an Einzelne sich immer wieder neu zu orientieren werden größer. Übergangssituationen werden häufiger. Der Erwerb von Kompetenzen für ein persönliches „Change-Management“ gilt als Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

Der Philosoph Michael Bordt formulierte bereits vor der Corona-Krise, die manches noch deutlicher hervortreten lässt: „Wir leben in einer Zeit des Übergangs. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und globale Marktwirtschaft haben an Überzeugungskraft verloren. Das Neue ist noch nicht deutlich sichtbar. Es ist noch nicht klar, was die alte Ordnung ersetzen wird.” (Welt 28.12.2018).

Das macht unruhig. Das macht neugierig. Das macht manchmal auch Angst.

Wir wissen, dass Menschen in dieser Situation auf Begleitung und kreative Lösungswege angewiesen sind. „Wo das Element des Spiels im menschlichen Handeln fehlt, gerät dieses zum bloßen Reflex, zum totalitären Vollzug des Vorgegebenen und führt ins Vergessen dessen, was Freiheit meint“ (A. Grötzinger, Theologe, Uni Basel). Wir brauchen in der Gesellschaft und Politik dringend Mut, die Spielräume, die wir haben, zu gestalten. Übergänge und Krisen können Anstöße sein, uns aus dem Vertrauten hinauszuwagen.

Spielerisches Verhalten ist die Grundlage für ein tiefes und langfristiges Lernen und Verstehen. Auszuprobieren und Simulieren ermöglicht, die richtigen Wege zu finden. Spielend sind wir also gut beraten.

Spielmarkt 2021 in Krisenzeiten – neue Wege, dezentral und digital

Die gegenwärtige Krise stellt auch den Spielmarkt vor Herausforderungen. Auf der Suche nach möglichen Spielräumen unter gegenwärtigen Bedingungen entstand für diese Situation ein spezielles Konzept: das 29. Internationale Bildungsforum Spielmarkt Potsdam, am 30. April und 1. Mai 2021 wird als dezentrale und digitale Veranstaltung organisiert.

Statt in verschiedenen Räumen und Zelten auf der Potsdamer Insel Hermannswerder wird es Workshops, Fachvorträge, Seminare und Mitmachaktionen an verschiedenen Orten im In- und Ausland geben. Über eine Internetseite wird eine Beteiligung an vielen der Aktivitäten und Angeboten von überallher möglich und nach dem Spielmarkt noch abrufbar sein.

„Spielend Übergänge begleiten“ als pädagogische Aufgabe und das Suchen nach neuen Wegen und Spielräume in Krisen und Übergängen – die Situation wird Teil des Themas, dem wir uns 2021 beim Spielmarkt stellen: „Du bist dran!“

Spielmarktteam November 2020

 

Thementext als PDF: Du bist dran! – spielend Übergänge begleiten